17. April 2017 Simon Scholz

Von der Idee zum Geschäftsmodell

„Der beste Weg, gute Ideen zu erhalten, besteht darin, möglichst viele Ideen zu entwickeln“ (Linus Pauling, Nobelpreisträger Chemie und Frieden). Doch wie erkennt man gute Ideen und wie lassen sich diese umsetzen? Beim letzten Gründertreffen von Bamberg Startups e.V. hatte ich das Vergnügen und die Ehre, zu ebendiesem Thema einen Impulsvortrag zu halten.

Die Verbindung von Ideenfindung und Geschäftsmodellentwicklung ist der Grundstein für innovative Unternehmensgründungen, die wiederum selbst Motor für weitere Entwicklungen zu neuen Ideen sein können. Es ist somit die Umsetzung von Ideen, die weitere Ideen gebiert. Der erste Schritt hierbei liegt in der Entwicklung des Produkts sowie des Geschäftsmodells, um das Produkt zu den jeweiligen Abnehmern zu bringen. Beide Aspekte können für sich genommen innovativ sein. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob man das Geschäftsmodell gewinnorientiert, gemeinnützig oder anders ausrichtet. Der zentrale Punkt ist die Frage, wie man die Verbindung von Produkt, Nutzern und Partnern hinbekommt und ob sich diese Verbindung als dauerhaft tragfähig erweist. Erst dann kann man für sich bestätigen, ob die Idee gut ist.

Business Model Canvas

Als ein sehr einfaches Tool zur Darstellung von Geschäftsmodellen hat sich das Business Model Canvas etabliert. Dieses setzt sich aus neun Bausteinen zusammen, die in der jeweiligen Kombination auf einen Blick die Verbindung interner, externer und finanzieller Prozesse ermöglichen. Die Bausteine interner Prozesse sind Partner, Aktivitäten und Ressourcen. Externe sind Kundensegmente, Kundenbeziehungen und Vertriebskanäle. Beide Seiten werden durch das Wertversprechen des Produkts sowie auf unternehmerischer Seite von Kosten und Einnahmen verbunden. In der Summe bietet das Business Model Canvas – durch die Einfachheit der Darstellung, die Möglichkeit der Szenariobildung, Analyse und vor allem Diskussion des Geschäftsmodells – eine ausgezeichnete Grundlage, um Ideen auf die Straße zu bringen oder den eingeschlagenen Weg zu reflektieren.

Business Model Canvas zum Bamberger Gründertreffen

Business Model Canvas zum Bamberger Gründertreffen

In meinem Vortrag habe ich das Gründertreffen als Produkt des Vereins analysiert. Hierzu bin ich von verschiedenen Zielgruppen (orange und blaue Markierung) ausgegangen. Deren Anforderungen an das Produkt sowie die zu erbringenden Leistungen des Vereins stellte anschließend ausdifferenziert dar. Darüber hinaus habe ich ein Szenario (rote Markierung) zur Veränderung der Einnahmensstruktur vorgestellt, das vermutlich das gesamte Veranstaltungskonzept verändern und nicht mehr tragfähig machen würde. Im Nachgang zum Impuls zeigten viele Gespräche, dass trotz des Quasi-Standards im Gründerbereich die Nutzung des Business Model Canvas zu strategischen Zwecken nur sehr selten erfolgt. Auch die naheliegende Verbindung zur Lean Startup Methodik zur Beschleunigung von Innovationszyklen wird offenbar selten genutzt.

Insbesondere in der Startphase einer Unternehmung ist dieses Werkzeug aus meiner Sicht nahezu unverzichtbar. Es ermöglicht die schnelle Entwicklung der Unternehmung und zeigt Schwachstellen auf, bevor diese zu Herkulesaufgaben (u.a. im Businessplan) heranwachsen können. Aber auch im laufenden Betrieb finden sich diverse Anwendungsfälle. So ist beispielsweise die Diskussion des Canvas mit neuen Mitarbeitern im Onboardingprozess eine gute Möglichkeit zur regelmäßigen eigenen Reflexion und gleichzeitig zur Vermittlung von Vision und Mission der Unternehmung.

Business Model Generation

Das grundlegende Werk zum Business Model Canvas ist „Business Model Generation“ von Alexander Osterwalder. Dieses wurde als Sammlung unterschiedlichster Erfahrungen im Bereich der Geschäftsmodellentwicklung konzipiert. Das zeigt sich in der Fülle an Beispielen, die im Buch verarbeitet werden. Jedoch bleibt dabei die eigentliche Arbeit mit dem Modell auf der Strecke. In gerade einmal 30 der 300 Seiten geht es direkt um das Canvas sowie seine Bestandteile. Wie nun Kundensegmente mit Partnern oder Ressourcen mit Vertriebskanälen verbunden werden bleibt offen. Genauso sieht es auch aus, wenn man sich fragt, wie man sein Geschäftsmodell überprüft.

Alexander Osterwalder: Business Model Generation

Alexander Osterwalder: Business Model Generation

Positiv hervorzuheben sind die Verbindungsvorschläge zu anderen Werkzeugen und Strategien wie der SWOT-Analyse, der Blue-Ocean-Strategie oder dem Storytelling. Ebenso sieht es mit der Darstellung aus. Diese ist wirklich hervorragend gelungen. Ob dies nun als Einstieg in die Thematik angemessen ist, ist stark zu bezweifeln. Ein oder zwei kurze Videos auf YouTube dürften besser geeignet sein, besser noch gleich am eigenen Projekt loslegen. Wenn man dann tiefer einsteigen will, ist das Buch eine passende Möglichkeit.

Geschäftsmodellentwicklung mit dem Business Model Canvas

Der Entwicklung von Zielen und Strategien wird auch in Startups nur unzureichend Zeit beigemessen. Trotz deren Einfachheit werden die Chancen von Werkzeugen in der täglichen Routine nicht genutzt. Dementsprechend sind aus meiner Sicht vor allem Workshops der angemessene Weg um im Team an Ideen, Geschäftsmodellen und Visionen zu arbeiten.

Schulungen, Bücher oder ähnlich umfassende Einführungen sind, zumindest für das Busness Modell Canvas, übertrieben. Das Werkzeug selbst ist einfach, die Zeit der Anwendung und Reflexion muss jedoch geschaffen werden. Hierzu sind Perspektiven von Außen eine lohnende Ergänzung. Insbesondere erfahrene, neutrale und innovationsoffene Berater sollten hinzugezogen werden um beide Aufgaben zu erfüllen: Workshopleitung und Impulse. Dadurch können sich Gründerteams voll auf ihre Vision konzentrieren.

 

 

Hinweis: Das Titelfoto stammt von Kontender. Vielen Dank für die Nutzungsmöglichkeit.

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Simon Scholz

Simon Scholz ist Experte für Gründungsfragen und den Einsatz von Zeit-, Selbst- und Projektmanagement. Er hat sich auf die Begleitung Gruppenprozessen sowie das Coaching zu generationenübergreifender und innovationsorientierter Führung spezialisiert. Darüber hinaus entwickelt er Methoden zur Beratung und Weiterentwicklung von Organisationen.

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